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Neben den Büchern von Moshe Feldenkrais haben mich die hier angeführten Werke besonders inspiriert und mein Denken und Handeln genährt.

Weiter unten finden sich Texte aus meiner eigenen Feder.

Carl Ginsburg: Lernen durch Bewegung

Humberto Maturana: Was ist erkennen!

Humberto Maturana/Gerda Verden-Zöller: Liebe und Spiel/Die vergessenen Grundlagen des Menschseins

Andreas Weber: Alles fühlt/Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften 
                           Lebendigkeit/Eine erotische Ökologie

Hans Peter Dürr: warum es ums Ganze geht

David Bohm: Die implizite Ordnung/Grundlagen eines dynamischen Holismus

Gerald Hüther: Etwas mehr Hirn, bitte

Daniel J. Siegel: Mindsight

Jakob von Uexküll: Kompositionslehre der Natur

David Abram: im Bann der sinnlichen Natur

Robert Wolff: das Lächeln der Seno

Arno Gruen: Dem Leben entfremdet

Erich Fromm: Haben oder Sein

Albert Schweizer: Kultur und Ethik

 

Gedankensplitter

Die nachfolgenden Texte sind beim Nachsinnen über mein Tun als Feldenkrais Lehrer entstanden. Oftmals direkt nach der Begegnung mit einer Person, die eine Stunden bei mir genommen hat.

 Das was mich unmittelbar bei meiner ersten Erfahrung mit der Feldenkrais Methode fasziniert und gefesselt hat, war die Qualität der Berührung. Die Fähigkeit, im Be-greifen die andere Person in all ihrem Sein, in jedem Moment so zu nehmen wie sie ist. Das ist für mich der zentrale Ausgangspunkt der Arbeit.
Wenn ich davon ausgehe das wir als, nach Nähe und Geborgenheit, dürstende Wesen auf diese Welt kommen, will ich jeden Menschen genau in dieser Bedürftigkeit abholen. Ich kreiere durch meine Berührung ein Umfeld der Sicherheit und des Vertrauens. „Du kannst beruhigt sein, dir wird nichts passieren. Ich akzeptiere dich genau so wie du bist und ich begleite dich bei allem, was auch immer geschehen mag. Ich werde dich und dein Erleben niemals in Frage stellen.“
Das ist die Botschaft, die ich durch meine Hände zu vermitteln versuche. Es ist der Nährboden des gemeinsamen Lernens.
Da diese Art sich zu begegnen auf den Umweg der Sprache verzichtet, sondern direkt den Weg der Sinne nimmt, ist sie auch so kraftvoll.
Zu bedenken ist auch, das vermutlich viele von uns in der Phase der Vorsprachlichkeit, eine Enttäuschung ihrer Bedürftigkeit erlebt haben. Insofern ist für mich die Kontinuität, die durchgängige vertrauensfördernde Qualität, von wesentlicher Bedeutung. Es ist quasi der Subtext der bei jeder Intention mitschwingt. Egal ob die Bewegung die ich anbiete schnell, langsam, fragend, forschend oder klärend ist.

 Je offener und unvoreingenommener ich einer Person begegne, desto größer wird die Palette der Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist das Schönste und zugleich das Schwierigste, an der Arbeit als Feldenkrais Lehrer, stets ein Unwissender zu bleiben. Wir sind Fragende, Suchende. Wir stellen unsere Neugier dem Anderen zur Verfügung. So entsteht ein gemeinsamer Erkenntnisprozess, indem es keine scharfe Trennung mehr zwischen Schüler und Lehrer gibt. Beide begegnen sich im fühlen, wahrnehmen und lernen. Beide transformieren, wandeln sich im Moment des Begegnens.
(Ich schreibe hier fühlen, wahrnehmen, lernen bewusst klein, um das Prozesshafte hervorzuheben)

 Wir leben in einer Leistungs und Selbstoptimierungsgesellschaft. Konkurrierendes Verhalten wird als die Triebfeder menschlicher Evolution angesehen und immer früher findet das, besser sein müssen, Einzug in unsere Leben.
In der Feldenkrais Methode orientiere wir uns an Qualitäten wie Leichtigkeit und Geschmeidigkeit. Wir trachte nicht danach Bewegungen zu verbessern oder sie effizienter auszuführen. Wir sind daran interessiert uns angenehmer und somit, auf freudvolle Weise zu bewegen. Mit anderen Worten; wir legen unserem Lernen ein menschliches Maß zugrunde.

 Ich richte Menschen nicht gerade. Ich verbessere nichts. Ich verhelfe nicht zu einem höherem oder besseren Funktionieren. Ich vertraue auf unsere Fähigkeit des Wahrnehmens und Fühlens. Ich vertraue darauf das, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Fähigkeiten richten, etwas zwischen uns und in jedem Einzelnen passiert, was sich am ehesten als Selbstregulation beschreiben lässt.
Und manchmal, nach einer Stunde, bin ich und die Person mit der ich lernen, probieren, experimentieren durfte, wir gemeinsam und jeder für sich, mehr Mensch.

 

 

 

Tod und Lebendigkeit

Von Martin Brunner-Kühr

Nichts zeigt die Corona Krise deutlicher als unser abgetrennt sein von der Lebendigkeit, die die Erde hervorbringt und beheimatet. Wir verhalten uns wie schlafwandelnde Untote, deren einziges Ziel Zerstreuung und unmittelbare Bedürfnissbefriedigung ist. Dabei scheint es, als ob wir, uns fühlend und emphatisch mit dem Leben zu verbinden, entweder verlernt oder nie ausgebildet haben.
Da der Mensch, dort die Natur, ist eine Gegenüberstellung, die nicht zulässig ist. Sie ist ein sprachlicher Kniff, ein raffiniertes Täuschungsmanöver, durch das wir uns, elegant, jeglicher Verantwortung für die Leiden, die wir der Erde zufügen, entziehen können.
Lebendigkeit können wir nur durch die Verbindung mit Lebendigkeit erleben. Erst durch das offene begegnen auf Augenhöhe, werden auch wir fähig den Puls des Lebens, die Freude an der Existenz an sich, zu erleben. Das Bewusstsein, ein Lebender unter Lebendem zu sein, ermöglicht es uns erst sich dieser tiefen Erfahrung zu öffnen. Solange ich mich als nicht dazugehörig, als abgetrennt empfinde, bleibt mir diese Erfahrungswelt verschlossen.
Darin liegt unser Problem. Wenn ich überzeugt bin, in einer leblosen Welt zu existieren, werde ich alles was ich erlebe, auch dieser Überzeugung gemäß interpretieren. Ich bin vom empathischen Sein in der Welt abgeschnitten.
Das dem Leben zu Grunde liegende Prinzip liegt im Kreislauf von Geburt und Tod. Es ist nicht das Leben, das dem Tod gegenübersteht, sondern die Geburt. Beide gemeinsam bringen den Prozess hervor, den wir Leben nennen. Beide sind, in gleichberechtigter Weise, die elementaren Bestandteile der pulsierenden, atmenden, sich gegenseitig nährenden Welt. Ohne Tod keine Geburt und umgekehrt.
Um mich selbst lebendig zu fühlen muss ich das Leben aus tiefstem Herzen lieben und ehren, den eigenen Tod ohne Furcht willkommen heißen. Denn mein eigenes Dahinscheiden, ermöglicht es unzähligen anderen Wesenheiten, durch ihre Lebendigkeit, die Erde in ihrer Fülle erblühen zu lassen.
Der Mensch ist einerseits, das todbringendste Wesen dieser Erde, andererseits das jenige, das die eigene Sterblichkeit nicht akzeptieren will.
Todbringend für die eigenen Anverwandten, direkt durch Kriege, indirekt durch das schließen von Grenzen, durch das Ausbeuten anderer Länder. Wir haben die Sklaverei zwar offiziell abgeschafft, führen sie aber unter einem anderen Titel weiter.
Durch das nicht vorhandene Verständniss, für unser Eingebundensein in die Lebensprozesse dieses Planeten, verletzen wir, oft mutwillig, oft aus reiner Gedankenlosigkeit, die Erde in ihrer Würde.
Durch unser Handeln sind schon unzählige Arten zu Tode gekommen. Der Reichtum und die Vielfalt des Lebens, wird durch unsere Unfähigkeit in Liebe und Empathie auf dieser Welt zu sein, unwiederbringlich zerstört.
Der ideale Mensch unserer Zeit ist jung, dynamisch, belastbar, flexibel, positiv. Er ist überdies männlich, weiß, wird nie krank, ist so zu sagen unverletzlich, und natürlich, ist er unsterblich.
Wir haben alle Schwächen eliminiert. Befinden uns im permanenten Prozess der Selbstoptimierung. Alles was wir tun ist “um zu“. Wir laufen, um fit zu bleiben. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen. Wir treiben Sport, um leistungsfähiger zu werden. Wir machen Yoga, um uns zu entspannen. Kaum etwas tun wir aus Freude am Tun oder um des Tätig-Seins an sich.
Alt zu werden ist in unserer Gesellschaft mit einem Makel behaftet. Wir unternehmen alles Mögliche, um diesen Prozess aufzuhalten, oder ihn zumindest unsichtbar zu machen.
Wie ist es dann erst mit unserem Verhältniss mit dem Tod bestellt? Gar nicht!
Wir klammern Ihn aus, ignorieren Ihn. Der Tod ist in unsrer Gesellschaft nicht sichtbar. Wenn doch gestorben wird, basteln wir reißerische Schlagzeilen drum herum, sind entsetzt und der Meinung, dass so etwas nicht mehr vorkommen darf.
Mitten in dieses phantastische Idyll, schiebt sich nun ein kleiner Virus und lüftet, ein kleines Stück von der Decke, die wir über das Thema Tod gelegt haben. Er konfrontiert uns mit unserer Verletzlichkeit und Sterblichkeit.
Unsere Reaktion ist panisch und hysterisch. Politik und Wissenschaft verbünden sich in dem Wahn alles kontrollieren zu wollen, und den Tod zu besiegen.
Doch dieser Kampf kostet uns allen das Leben bei lebendigem Leibe. Wir opfern grundlegende Praktiken, die für unser Zusammenleben konstituierend und unerlässlich sind. Wir opfern all jene Kulturtechniken, in denen wir uns in Gemeinschaftlichkeit, lebendig fühlen können. Im Tanzen, Singen, im gemeinsamen musizieren, in der geteilten Aufmerksamkeit beim Erleben eines Theaterstücks. All dies ist kein banales Beiwerk unseres Lebens. Es ist nicht der Glitter, der in den Ästen hängt. Es sind vielmehr die Wurzeln, ohne die der Baum unserer Spezies, kraftlos zur Seite sinken würde.

Literaturempfehlungen:

Albert Schweizer, Kultur und Ethik C.H. Beck, München 1960

Andreas Weber, Lebendigkeit, Kösel- Verlag, München 2014

Byung-Chul Han, Palliativgesellschaft, Matthes & Seitz, Berlin, 2020

 

For Forest:

Zerbrechlich wirkt das kleine Waldstück, inmitten dieses riesigen Stadions. Der Kontrast zwischen der Zartheit und Verletzlichkeit der Natur und dem Bau aus Stahl und Beton könnte nicht größer sein. Beinahe beklemmend wirkt diese Bild auf mich.
Es ist ein Spiegel für unser Umgehen und Verhältnis zur Natur. Für unsere Gesellschaft ist es keine Frage , dass das Lebendige dem Fortschritt, der sich rein als Technologischer Fortschritt begreift, weichen muss.
For Forest mutet wie eine dunkle Horrorvision an, in der wir Natur nur mehr in Museen zu Gesicht bekommen.
Doch diese Vision der Zukunft vergisst, das wir Teil von dem, was wir Natur nennen sind.
Die Menschen die sich an den Händen haltend, rund um diesen Wald versammeln, ihn still umschließen, symbolisieren eine Verantwortlichkeit dem Natürlichem gegenüber, die dem westlich zivilisieren Menschen schon lange abhanden gekommen ist.
Schauen wir zu indigenen Lebensgemeinschaften, so ist ein Bezogensein auf die umgebende Natur, zentral in allem Denken und Handeln.
Eine Kultivierung dieser Verantwortung dem Lebendigem gegenüber, ist zu einer Gesellschaftlichen Notwendigkeit geworden.
Und wie sonst könnten wir zu dieser Haltung finden, als das wir uns der fragilen Schönheit der Natur öffnen, uns von ihr umschließen und durchdringen lassen.